Le jardin de leur enfance

Unter meinen Schuhen knirscht der Kies. Zwischen den Bäumen liegen gelbe Blätter, einige noch feucht vom Regen. Ich nehme den Weg durch den Garten des Palais-Royal, den Mantel bis oben geschlossen.

Auf einer Bank faltet ein Mann seine Zeitung zusammen. Ich kenne die Baumreihen, die Bänke, den Ausgang zur nächsten Straße. Dass Ludwig XIV. hier einen Teil seiner Kindheit verbrachte, vergesse ich dabei fast immer.

Im Herbst 1643 zog Anna von Österreich mit ihren beiden Söhnen in den Palast. Ludwig war fünf, Philippe gerade drei. Ihr Vater war wenige Monate zuvor gestorben. Der ältere der beiden Jungen war bereits König.

Ich versuche, mir die Brüder vorzustellen. Ob Philippe Ludwig am Ärmel zog, weil er ihm etwas zeigen wollte? Darüber weiß ich nichts. Aber zwei Kinder im Garten kann ich mir leichter vorstellen als den Sonnenkönig mit Perücke und Krönungsmantel. Versailles, wie wir es heute mit ihm verbinden, lag noch vor ihm.

Richelieu hatte den Palast für sich errichten lassen. Palais-Cardinal hieß er zunächst, dann Palais-Royal. Später wohnte Philippe hier mit seiner Familie, während Ludwig in den Louvre zog.

Zwischen den Stämmen sehe ich die Fassaden. Vieles entstand erst später, auch der Garten wurde verändert. Die Brüder hätten einen anderen Ausblick gehabt.

Ich denke an Philippe. Wie es wohl war, den König von Frankreich einfach als großen Bruder zu kennen?

– Alma

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Un après-midi, Versailles