Le Grand Véfour
Unter den Arkaden des Palais-Royal liegt ein Restaurant, das mehr gesehen hat als manche Geschichtsbücher.
Le Grand Véfour gehört zu den ältesten Restaurants von Paris. Seine Geschichte beginnt 1784, damals noch als Café de Chartres. Ab 1820 wurde der Ort mit Jean Véfour verbunden, dessen Name bis heute über der Tür steht.
Schon die Adresse macht den Ort besonders: Galerie de Beaujolais, direkt am Garten des Palais-Royal. Dort, wo Paris nie einfach nur vorbeiging, sondern sich gern ein wenig zeigte.
Napoléon Bonaparte, Victor Hugo und Colette werden unter den berühmten Gästen genannt. Manche Namen gehören zur Geschichte, andere eher zur Legende. In Paris ist das oft keine saubere Trennung.
Die Legende erzählt, Napoléon habe hier gegessen und es mit Rechnungen nicht immer übertrieben genau genommen. Eine sehr kaiserliche Form von Vertrauen in die Zukunft.
Ich mag an diesem Ort, dass er sich nicht verkleidet. Spiegel, Gold, bemalte Decken, Holz und kleine Zeichen vergangener Eitelkeiten sitzen noch an ihrem Platz. Nicht wie Dekoration, eher wie Zeugen, die beschlossen haben, höflich zu schweigen.
Ich bin nicht hineingegangen.
Nicht aus Bescheidenheit, das wäre übertrieben.
Ich habe nur durch die Scheiben geschaut und mir vorgestellt, wie Colette hier sitzt, sehr wach, sehr genau, vermutlich mit einem Blick, der mehr bemerkte, als angenehm war.
Vielleicht ist genau das die Besonderheit dieses Ortes:
Er versucht nicht, jünger zu sein.
Le Grand Véfour muss Geschichte nicht erzählen. Es genügt, dass es noch da ist — unter den Arkaden, am Rand des Gartens, mit Spiegeln, die vermutlich bessere Manieren haben als manche Besucher.