Ein Ort für das, was bleibt

Es war schon spät, als Miette und ich noch einmal nach oben gingen.

Die Besucher waren fort. Im Museum hörte man wieder das Knarren der Dielen und Schritte im Hof.

Ich setzte mich auf die Bank vor der leeren Stelle. Miette sprang neben mich.

„Da hing sie“, sagte ich.

Er sah zur Wand.

„Meine Rose.“

Das gefiel mir. Andere hatten mir längst erklärt, wohin das Bild gebracht worden war und wann es zurückkäme.

Miette sagte nichts.

Er saß einfach neben mir.

Seit er bei mir in Paris war, fühlte sich auch meine Wohnung anders an. Die Wasserschale und die Leine an der Tür waren nur Kleinigkeiten.

Entscheidend war, dass ich am Abend nicht mehr nur nach Hause ging.

Ich ging zu Miette.

Ich sah mich um. Auch das Museum war für mich über die Jahre zu einem vertrauten Ort geworden.

Nach meinem Studium der Kunstgeschichte hatte ich hier zu arbeiten begonnen. Ich kannte sein Licht, die knarrenden Dielen, die Bilder und die Schatten ihrer Rahmen.

Einmal hatte ich für eine kleine Zeichnung einen Begleittext geschrieben. Nur zwei Sätze. Einer davon handelte davon, dass manche Bilder einen erst ansehen, wenn man lange genug vor ihnen stehen bleibt.

Am nächsten Morgen lag der Text wieder auf meinem Schreibtisch. Daneben stand mit Bleistift:

„Sehr schön. Aber vielleicht etwas zu persönlich.“

Ich musste lachen.

In einem Museum sollten schließlich nicht zu viele von Almas Gedanken an den Wänden zu lesen sein.

Ich mochte diesen Ort sehr. Vielleicht machte gerade das den Gedanken ans Fortgehen so schwer.

Miette legte den Kopf an mein Bein.

„Du würdest mitkommen, oder?“

Sein Ohr bewegte sich.

Ich sah wieder auf die helle Stelle an der Wand.

Zum ersten Mal dachte ich, dass eine Lücke nicht nur bedeuten musste, dass etwas fehlte.

Vielleicht war dort auch Platz für etwas Neues.

Und vielleicht brauchte das, was an keiner Museumswand Platz fand, irgendwann einen eigenen Ort.

— Alma

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Die Lücke