Der Markt am Sonntag
Als Kind war ich nie nur an einem Ort.
Ich war auf der Farm meines Vaters, zwischen Aprikosenbäumen, Ziegen und Schafen. Ich war im kleinen Laden meiner Mutter, wo es nach Lavendel, Seife und Leinen roch. Und sonntags war ich mit ihr auf dem Markt.
Die Märkte waren für mich wie ein zweites Zuhause.
Vielleicht sogar wie eine eigene Welt. Eine Welt aus Stimmen, Körben, Tüchern, Holzstiegen und Händen, die prüften, wogen, falteten, einpackten.
Ich erinnere mich an den Duft von Lavendel, bevor ich ihn überhaupt sehen konnte.
An die Seifen, die daraus gemacht wurden. An Olivenöl in dunklen Flaschen, an Honiggläser, frisches Brot, Tomaten, Feigen, Melonen und die Aprikosen meines Vaters, die in flachen Kisten lagen und in der Sonne noch wärmer wurden.
In den Ferien half ich manchmal bei Madame Roux, der Käseverkäuferin.
Sie verkaufte Ziegenkäse, kleinen runden Schafskäse und diese weichen, weißen Laibe, die sie in Tücher einschlug, als wären sie etwas Kostbares. Ich durfte Papier falten, Münzen zählen und die leeren Körbe unter den Tisch schieben.
Vielleicht habe ich dort gelernt, dass Dinge nicht viel brauchen, um schön zu sein.
Ein Stück Seife. Ein Bund Lavendel. Ein Tuch aus Leinen. Eine Aprikose, die nach Sommer roch.
Und ein Marktstand, an dem man plötzlich wusste, wohin man gehörte.
— Alma