Les Mazarinades
Zwischen den Seiten eines alten Sammelbandes entdeckte ich ein gefaltetes, vergilbtes Blatt. Die Buchstaben standen so dicht beieinander, als hätte jemand sehr viel zu sagen und nur wenig Papier dafür.
Oben stand der Name Mazarin.
„Eine Mazarinade“, sagte der Buchhändler.
Das Wort klang beinahe nach einem Gebäck. Tatsächlich waren Mazarinaden politische Streitschriften, die während der Fronde in Paris verbreitet wurden.
Die Fronde bezeichnet eine Reihe von Aufständen und Machtkämpfen, die Frankreich zwischen 1648 und 1653 erschütterten. Ludwig XIV. war noch ein Kind; seine Mutter Anna von Österreich regierte gemeinsam mit Kardinal Mazarin. Erst widersetzte sich das Pariser Parlament der Krone, später mischten sich auch mächtige Adlige ein.
Paris antwortete mit Papier.
Tausende Pamphlete, Gedichte und Spottverse wurden gedruckt, verkauft und weitergereicht. Viele griffen Mazarin an, andere verteidigten ihn. Nicht alles war wahr, manches boshaft und vieles vermutlich sehr unterhaltsam.
„Wusste man, wer sie geschrieben hatte?“, fragte ich.
Der Buchhändler lächelte.
„Nicht immer. Aber eine fehlende Unterschrift hat in Paris noch selten eine Meinung aufgehalten.“
Ich legte das Blatt vorsichtig zurück.